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Ricoh GR III | Ein GRund zum Feiern?

One Night Stand im Karneval

Als mich neulich Marc Barkowski von Soul of Street fragte, ob ich Interesse hätte die neue Ricoh GR III vor dem offiziellen Verkaufsstart auf einem Fotowalk zu testen, war ich natürlich Feuer und Flamme. Als er jedoch sagte, dass dies am Rosenmontag in Köln geschehen soll, erloschen zunächst mal die Lichter. Dazu muss man wissen, dass ich als Stuttgarter mit Fasching, Karneval oder wie auch immer das in den verschiedenen Regionen genannt wird, gar nichts am Hut habe. Für mich hat diese Art der Freizeitgestaltung eher etwas Bizarres an sich.

Aber man soll ja "open-minded" sein und die Aussicht, im Influencer für Arme Style was Neues zu testen, hat ja durchaus seinen Charme. So machte ich mich auf in die Hauptstadt des Frohsinns: nach Köln.

Das erste Kennenlernen

Dort bekam ich sie in die Hand gedrückt: die neue GR III. Noch ein bisschen kleiner und kompakter als ihre Vorgängerin, aber an der Haptik ändert sich dadurch nichts. Die Verarbeitung ist genauso hochwertig und man hat nicht das Gefühl, nur ein Spielzeug in der Hand zu halten. 

Ich verzichte hier übrigens absichtlich auf Bilder von der Kamera an sich. Die gibt´s inzwischen in diesem Internet zuhauf. Auch wird man hier keine 400 Prozent Ansichten der gemachten Bilder oder sonstiges Pixelgepeepe finden. Ich fand und finde Fototechnik schon immer überbewertet. Mir geht es rein um die Handhabung und die Alltagstauglichkeit auf der Straße. 

Das Vorspiel

Vor dem Fotografieren hat der Gott der Digitalkameras bekanntlich das Einrichten derselben gestellt. 

Normalerweise bin ich ja ein Freund von Bedienungsanleitungen und hab schon so manchen Akku einfach nur damit verballert, um die richtigen Einstellungen für mich zu finden. Das war in der Kürze der Zeit und in Ermangelung an Ersatz-Akkus in der Form so leider nicht möglich. Dennoch bin ich natürlich in die Tiefen des Menüs getaucht, um zu sehen, was die Kleine so zu bieten hat. Und das ist einiges. Wir sind ja schon vieles von den Vorgängerinnen gewohnt was die verschieden Optionen betrifft, die einem das Fotografieren leichter und schöner machen sollen - aber auch verkomplizieren können. Jetzt sind noch ein paar Möglichkeiten dazu gekommen, die ich leider nicht alle ausprobieren konnte.  Die neuen Features, die ich antesten konnte, und meine Meinung dazu beschreibe ich weiter unten im Artikel. Aber um eines vorwegzunehmen: Den Wackeldackel - also die Stabilisierung wenn man ein bisschen rumzittert - find ich sehr schick. Und das dieser direkt zur Sensorreinigung benutzt wird noch viel viel mehr.

Benutz mich...

Also raus auf die Straße, wir waren ja schließlich nicht zum Spaß hier. Ich wollte mir die Kamera so einstellen wie meine GR, die ich besitze. Einerseits wurde ich durch die Flut an Möglichkeiten etwas erschlagen, andererseits haben sich die Optionen der Programmeinstellungen verringert. Zum Beispiel fehlt mein geliebter TAv Modus - also der manuelle Modus mit Auto ISO. Die Simulation dieses Modus wollte mir partout nicht gelingen.

So kam es beim Fotografieren teilweise entweder zu recht niedrigen ISO Zahlen, aber auch zu recht hohen. Gut, kann man wenigstens etwas das Rauschverhalten begutachten. Wenn wir schon bei den Knöpfchen sind: Die Wippe der für die Belichtungskorrektur ist weg. Hurra! Sie war ja doch meistens im Weg. Allerdings war sie an meinem Testgerät auf die Adj. Knopf programmiert, an den man in der Hitze des Gefechts natürlich auch andauernd rankommt. Der Vorteil aber ist, dass sich diese Taste umprogrammieren lässt. Ansonsten sieht das Button Setup etwas anders aus. Aber ich gehe davon aus, das man sich da sehr schnell dran gewöhnt.

 

Es folgen nun die Bilder des Hauptakts. Mein Fazit dann danach.

Na? Wie war ich..?

Um das genauer zu beschreiben werfe ich mal ein Blick auf die neuen Features und was ich davon halte.

 

  • Bildstabilisierung: Wie schon erwähnt - Topsache! Vor allem in Tateinheit mit der Sensorreinigung. Ob das in der Praxis was taugt, wird man sehen, ich gehe aber davon aus, dass das funktioniert.

 

  • Touchscreen: Sicher ein nettes Feature, wenn man sich mal darin eingearbeitet hat. Man kann zum einen damit durchs Menü scrollen, aber auch den Fokuspunkt setzen und gleichzeitig auslösen. Ich hab das kurz probiert war aber für mich -noch- nicht alltagstauglich. Da ich da ziemlich oldschool bin, nutzte ich die dritte Option: Abschalten.

 

  • Neuer Sensor, neues Objektiv: Ein neuer Sensor ist natürlich immer gut. Ricoh hat den auf 24,2 Megapixel hochgeschraubt. Dazu gibt´s ein neues Objektiv beziehungsweise eine neue Objektivrechnung. Bei den Fotos konnte ich zumindest keinen Qualitätsschwund entdecken. Wenn die Bilder, die hier zu sehen sind teilweise Unschärfen aufweisen, ist das der Unzulänglichkeit des Fotografen geschuldet. Sag ich jetzt mal so. 

 

  • ISO bis 102400: Naja wer´s braucht. Ich könnte mir vorstellen, dass sowas ganz gute Effekte hervorruft. 6400 fand ich jetzt ok. Wenn die 12800 auch ansehlich sind, soll´s mir recht sein.

 

  • Hybrid Autofokus: Wie Ricoh das macht ist mir eigentlich egal. Aber sie haben´s ordentlich umgesetzt. Der Autofokus ist pfeilschnell.

 

Und dann gibt´s noch so einiges mehr an neuen Features z.B. bezüglich JPEG-Vorgaben etc. Das hab ich alles nicht ausprobiert. Aber ich denke, dass es noch genug Leute geben wird, die Reviews schreiben werden. 

 

Sehen wir uns wieder?

Die Versuchung ist schon sehr groß. Ich bin ja sowieso schon länger am überlegen, mich von meinem Fuji Geraffel zu trennen und nur noch alles mit der GR zu machen. Für meine Fotografie, ja selbst für die paar Jobs, die ich mache, hab ich zur Zeit immer nur das "kleine Besteck" dabei. Und ich merke, dass es mir persönlich mehr Spaß macht und gut tut, mich in dieser Form einzuschränken. So manche Herausforderung fördert die Kreativität ungemein. Und die Dinge, bei denen ich dann feststelle, dass man die mit 28mm nicht machen kann, mach ich dann halt nicht. Dazu ist die Qualität der GR meiner Meinung nach über jeden Zweifel erhaben. Die neue GR würde mir da in jeder Hinsicht reinlaufen.

Aber dennoch gibt es ganz zum Schluss Kritik und einen großen Wunsch an Ricoh:

 

  • Gebt uns den Blitz zurück! 

Ich hab keine Ahnung was das Produktmanagement von Ricoh geritten hat, den eingebauten Blitz zu entfernen. Am hellichten Tag die Farben knallen zu lassen, im Gegenlicht fotografieren, nachts irgendwelches Zeug aufzuhellen: diese Vorgehensweisen gehören meiner Meinung nach zu den essentiellen Dingen vieler Straßenfotografen. 

Ein Vorschlag zur Güte: Ihr seid ja clevere Ingenieure. Baut uns einen kleinen Blitz. Keinen Würfel oder so, sondern was Flaches, Kleines - vielleicht ne Art "Schiene" in der Form des Blitzes der Vorgängerin. Der würde die GR nicht unbedingt größer machen. Ich meine, bald fliegen Menschen zum Mars, da ist das ja wohl ´ne Kleinigkeit. 

 

Ach ja, und wenn wir schon dabei sind: 

Eine 50mm-Aufsatzlinse dürfte ja auch kein größeres Problem darstellen.

 

Ansonsten aber scheint ihr vieles richtig gemacht zu haben - die neue Ricoh GR III ist definitiv kein Griff ins Klo.

Ganz, ganz zum Schluß: Ich bekomme natürlich kein Geld, geschweige denn die Kamera von Ricoh für diesen Beitrag. Schade eigentlich.

 

Und ausnahmsweise hab ich die Kommentarfunktion für diesen Beitrag mal wieder aktiviert. Also: Wenn ihr Fragen, Meinungen, Lobhudeleien oder Beschimpfungen habt - immer her damit.

 

Bis bald,

 

euer TeeKay


Streetfotografie - made in Germany. Das Buch.

 

Ein, in dieser Form, wohl einmaliger Querschnitt durch die deutsche Streetfotografie.

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