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Stuttgart | A Night at the Opera


Kurz bevor an der hiesigen Oper das Schild „Wegen Renovierungsarbeiten geschlossen“ hängt, wollte ich mir den Laden gerne nochmal von innen anschauen. Es ist ja bekannt, dass vor kurzem ein Handwerksmeister im Blaumann zusammen mit Fritz Kuhn durch das Gebäude lief, kritisch die Braue hob, zischend die Luft durch die Zähne zog und meinte: „Eieieiei. Kenna mer scho‘ mache, ‘s wird aber net billich...“ und dabei auf den Vordruck für den Kostenvoranschlag eine hohe neunstellige Zahl kritzelte („Fahrtkoschta send nadierlich extra“).

 

Als jemand, der zumindest tapezieren kann und kleinere Haushaltsreparaturen im Großen und Ganzen unfallfrei hinbekommt, muss man das natürlich selber prüfen. Und da man nicht einfach so da rein spazieren darf (glaub ich zumindest), musste für die Begutachtung der Besuch einer Veranstaltung her, die einem die Türen öffnet.

Sich solch ein hochkulturelles Programm auszuwählen, ist nicht ganz einfach. Operngeträller ist so gar nicht meines, und klassisches Ballett à la Nussknacker sorgt bei mir maximal für Gähnanfälle. Was tun? Ich wählte die Premiere vom Ballett „Creations IV-VI“.  Von dem Titel und der Inhaltsangabe versprach ich mir avantgardistische Musik mit abgefahrenem Rumgehüpfe in einem minimalistischen Bühnenbild.

Arte-Themenabend-Style halt.

Ich wurde nicht enttäuscht. Ob die Darbietungen jetzt gut oder schlecht waren, davon hab ich zwar überhaupt keine Ahnung (und hoffe auf die Kritik in der lokalen Postille), aber sehenswert und spannend war‘s allemal.

 

Das Publikum war erstaunlich gemischt. Es war nicht, wie von mir erwartet, ausschließlich die Stuttgarter HHL-Society am Start, sondern tatsächlich die viel zitierten Leute wie du und ich. Klar, die Häppchen-Fraktion von den besseren Plätzen war natürlich sehr präsent, und Porsche hat sicher nicht nur so zum Spaß seinen Elektroflitzer vor der Tür präsentiert. Aber es waren eben auch die völlig normalen in Jeans und Pulli da, die sich in der Pause ein Bier und ‘ne Tüte Chips kaufen und einfach Spaß an der Kunst haben. Hätte mich auch nicht gewundert, den einen oder anderen zum Ausklang des Abends ein paar Meter weiter im „Goldmarks“ anzutreffen.

Nun aber zur Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Muss man die Einrichtung für so viel Geld renovieren?

Ich hab keine Ahnung, ob das so teuer sein muss. Aber: Die Oper gehört auf jeden Fall gerichtet. Sieht innen zum Teil echt schlimm aus. Die Tapete kommt stellenweise runter, einige Wände sind von Rissen durchzogen, so manche Armlehnen der Sitze provisorisch mit Klebeband geflickt – und noch mehr Kleinigkeiten, die solch einer Kulturstätte einfach nicht würdig sind.

Maroder Charme hin oder her. Da möcht ich gar nicht wissen, was hinter den Kulissen noch so alles im Argen liegt. Von daher: Renoviert die Hütte! Aber macht‘s gscheit.

 

Bis bald, 

euer TeeKay


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