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Streetfotografie | Workshopping

Workshopping bei Siegfried Hansen

Wenn am Sonntag in aller Herrgottsfrühe mein Wecker klingelt, ich mich kurz danach für zwei Stunden auf die Autobahn in Richtung München begebe, muss schon was Besonderes geboten sein: ein 1:1-Workshop bei Siegfried Hansen.

Mit (Street-)Fotografie-Workshops ist das ja so eine Sache. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Art von Dienstleistung gerade wie Pilze aus dem Boden schießt. Denn die Zahl der Leute, die sich berufen fühlen, anderen etwas beizubringen, steigt – gefühlt zumindest – stetig an. Dazu kosten die Veranstaltungen 'ne ordentliche Stange Geld. Und ob der Anbieter was kann und man für sich eine Art Mehrwert bekommt, merkt man erst hinterher.

Daher gilt es, gut zu wählen – beziehungsweise sich schon im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wem man sich anvertrauen und was man selber von so einem Workshop mitnehmen möchte.

Für mich persönlich kommen da bisher nur drei Workshops in Frage, die ich mitmachen würde:

 

- Die Masterclass „Journalistische Fotografie im Alltag“ von Herbert Piel.

Die Beschreibung liest sich sehr gut. Und die Reportagen, die ich von ihm gesehen habe, überzeugen mich, dass er die Dinge, die er vermitteln will, auch selber anwendet. Und somit aus Erfahrung spricht. Über das Didaktische kann man da zwar noch nichts sagen, aber das ist halt das Restrisiko das man hat. Außerdem ist es ja schon immer sehr subjektiv, ob's zwischenmenschlich passt. Da diese Veranstaltung allerdings mit 950 Tacken für drei Tage zu Buche schlägt, muss ich wohl noch ein paar Bildchen verkaufen, bevor das was wird.

 

- Ein Workshop bei Martin U. Waltz. Ich durfte Martin im vergangenen Jahr in Berlin persönlich kennenlernen und bin überzeugt, dass er seine Erfahrungen sehr gut vermitteln kann. Die offene Thematik lässt sehr viel Spielraum, um seine eigenen Wünsche und Ideen einzubringen. Außerdem hat Martin sehr viele interessante Projekte am Start und somit auch genug Wissen, wie man solche Projekte umsetzt. Ganz davon abgesehen hat er mich sehr gut in Sachen Homepage beraten (ich müsste es nur mal umsetzen – aber das ist eine andere Geschichte...).

Berlin ist von mir nur leider verdammt weit weg und die Urlaubstage sind rar – deshalb dauert auch das noch ein bisschen.

 

- Und natürlich Siegfried Hansen, bei dem es ja nun geklappt hat.

Warum Siegfried? Wer seine Bilder kennt, weiß um seine außergewöhnliche Wahrnehmung. Und genau diese fasziniert mich und hat mich dazu gebracht, einen Workshop bei ihm zu buchen. Mich hat vor allem interessiert: Wie nimmt er wahr, wie trainiert er diese Wahrnehmung, kann er überhaupt dreidimensional sehen.(Anmerkung des Verfassers: Ja, er kann!). Außerdem hatte ich für mich das Gefühl, in meinen fotografischen Tun etwas ändern zu müssen. Raus aus den eingefahrenen Wegen, den Blick wieder schärfen. Wieder mehr das „Urbane“, Flächen, Formen, Farben sehen. Und für sowas funktionieren Impulse von außen immer noch am besten, zumal Siegfrieds Fotografie nicht immer was mit der „klassischen“ Streetfotografie gemein hat.

 

Der Workshop war auf einen Tag, von 10 bis 17 Uhr ausgelegt. Mich erwartete also ein straffes Programm.

 

Zu Beginn haben wir uns erstmal in einem Café ausgetauscht: Was meine Beweggründe waren, einen Workshop zu besuchen, was ich mir davon verspreche und wie der Tag ablaufen soll. Nachdem er mir seine Präsentation – man könnte auch sagen, „Schulungsunterlagen“ – auf dem Notebook gezeigt hatte, ging's auch schon los auf die Straße.

An diesem Tag fand in München ein Marathonlauf statt. Also ideales Terrain für Streetfotografen.

Der Absperrband-Limbo

Wie läuft so ein Workshop Walk jetzt ab? Eigentlich nicht wirklich spektakulär.

Man fotografiert. Allerdings mit vielen Unterbrechungen für Fragen und Antworten. Mit Tipps und Hinweisen, wie man fotografisch was angehen kann. Wie man seine Wahrnehmung schärft und diese in seine spezielle Bildsprache umsetzt.

Und natürlich auch mit interessanten Gesprächen, zum Beispiel über die Veröffentlichung von Büchern, wie man Ausstellungen angeht, sein Netzwerk aufbaut und vieles mehr. Und, auch ganz wichtig: Es wurde sehr viel gelacht.

 

Was ich als sehr angenehm empfunden habe, war die Tatsache, dass ich nie den Eindruck von einer Art „Lehrer / Schüler“-Verhältnis hatte, sondern stets ein reger Austausch auf Augenhöhe stattfand. So ging das dann über etwa fünf Stunden.

Sehr intensive fünf Stunden.

Zwischendurch war es schon mal anstrengend, die Konzentration hochzuhalten, aber damit war bei einem einzigen Workshop Tag auch zu rechnen.

 

Nachdem wir dann, laut Schrittzähler, ungefähr elf Kilometer unterwegs waren (Innenstadt, BMW-Welt, Olympiapark und wieder zurück), sind wir zum Abschluss des Tages bei einem Bierchen in der Lobby seines Hotels gesessen. Aber nicht, um hier den lockeren Chill-Out zu genießen sondern dann ging's nochmal richtig zur Sache.

Zunächst haben wir uns meine Homepage angeschaut. Auch hier erhielt ich nochmal sehr viele Tipps und Anregungen von Siegfried. Ich muss jetzt nur schauen, dass ich die Tipps von ihm und Martin irgendwie in Einklang bringe und vor allem umsetze.

Und dann ging es noch daran, die Bilder des Tages anzuschauen, zu bewerten und zu kritisieren. Alles in sehr sehr angenehmer Atmosphäre und immer konstruktiv. Kurz gesagt: Siegfried Hansen ist ein cooler Typ mit dem es sehr viel Spaß macht, einen ganzen Tag zu verbringen. 

Hat der Tag nun meine Erwartungen erfüllt? Definitiv. Ich habe sehr viele Tipps und Anregungen bekommen, die ich sofort umsetzen kann.

Einiges habe ich vorher schon so gemacht, nur wusste ich es nicht. Jetzt kann ich das bewusst einsetzen.

 

In der folgenden Galerie ist eine Auswahl der Bilder zu sehen die an diesem Tag entstanden sind:

In bunt

schwarz/weiß

Solltet Ihr jetzt überlegen, auch mal einen Workshop mitzumachen, so möchte ich euch noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben:

Zunächst einmal: Macht es!

 

Aber sucht euch einen Workshop bei jemandem aus, der fotografisch etwas vorzuweisen hat: Bücher, Preise, Ausstellungen, Reputation etc. Niemanden, der mal für drei Bilder bei Facebook über 100 „Likes“ bekommen hat oder sich in den sozialen Medien, dank gutem Marketing, vor lauter Followern kaum retten kann. Und jetzt meint, er könne deshalb für teuer Geld den Lehrer geben.

 

Schaut euch die Bildsprache desjenigen an. Wenn sie euch nicht gefällt – lasst es. Habt eine realistische Erwartungshaltung bezüglich eures Lernerfolges, beziehungsweise sucht euch Themen, für die ihr explizit „geschult“ werden wollt. Einfach einen Workshop mitmachen, mit der Erwartung, hinterher der Bresson der Neuzeit zu werden, bringt weder dem Teilnehmer noch dem Dozenten was.

Das sorgt auf beiden Seiten nur für Frust.

 

Das soll es erst mal gewesen sein. Wenn noch Fragen offen sind, so dürft ihr gerne die Kommentarfunktion nutzen.

 

Bis dann euer TeeKay

 

Links:

 

Siegfried Hansen: http://www.street-photography-hamburg.siegfried-hansen.de/

Martin U. Waltz:    https://streetberlin.net/de/

Herbert Piel:            Leica Masterclass

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